Sex & Love
Annika Weßbecher
Chef-Redakteurin
1.6.2021

5 Dinge, die ich aus meinen Beziehungen gelernt habe

Nicht immer freiwillig – aber zu meinem Besten

Let's be honest: Love can be a fucking battlefield. Nicht grundlos erhalten wir ganze 795 Millonen Google-Einträge, wenn wir "Relationships" in die Suchleiste hacken. Nicht umsonst wurden bis dato um die 100 Millionen Bücher über die Liebe verfasst. Nicht umsonst handelt jeder 2. Song weltweit genau davon. Beziehungen können vieles sein, nein alles – schön, bereichernd, harmonisch, herausfordernd, oder auch toxisch, missbräuchlich, unerwidert, unausgeglichen. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Ob sie scheitern oder nicht, sie lehren einen so, so viel. Hier kommen 5 Lektionen, die bei mir am stärksten hängengeblieben sind.

1. Wenn sie dich nicht wachsen lassen, lass sie gehen

Nichts ist mir in einer Beziehung wichtiger, als die Fähigkeit, sich gegenseitig Raum für Wachstum zu lassen. Nicht nur zu lassen, eher sogar aktiv zu schaffen. Andernfalls erstickt man früher oder später. Wer sich in einer Beziehung befindet und das Gefühl hat, sich selbst überhaupt nicht entfalten zu dürfen, sollte sich die Frage stellen: Wieso hält er oder sie mich klein?

In der Vergangenheit erlebte ich öfter, dass Männer meine Ziele und Träume kleinredeten, immer das Haar in der Suppe suchten und vielleicht irgendwie die Angst hatten, sie könnten dabei auf der Strecke bleiben.

Wir brauchen niemanden, dessen eigenes Mangelgefühl von Größe uns daran hindert, zu wachsen.

2. In einer gesunden Beziehung ist Streit kein Weltuntergang

Auch wenn ich diese Erkenntnis heute habe, kämpfe ich noch immer damit, sie wirklich zu verinnerlichen. In früheren toxischen Beziehungen brachte mich nichts so sehr aus der Fassung als die böse Ahnung, dass sich jetzt vielleicht ein Streit anbahnen könnte. Bei den kleinsten Vorzeichen verkrampfte ich, verlor meine klare Sicht auf die Dinge und verfiel in eine Art panischen Schockzustand, der als Katalysator für alle schlechten Emotionen diente. Warum? Weil ich – mit einem toxischen Gegenüber – wusste, dass ich gar keine andere Wahl hatte, als jeden Streit zu verlieren. Menschen, die einem nicht gut tun und manipulierendes oder gar seelisch missbräuchliches Verhalten an den Tag legen, gehen beim Streiten über Leichen. Sie überschreiten verbale, im schlimmsten Fall non-verbale, Grenzen, setzen Verletzungen gezielt ein und drängen einen in die Ecke – ohne Ausweg. Egal, wie rational einleuchtend einem die eigenen Argumente erscheinen, egal wie banal der Streitgrund doch eigentlich ist; mit einem solchen Menschen hat man in dieser Situation den Kürzeren gezogen.

In meinem Fall führte das dazu, dass ich beim kleinsten Wind schon in Deckung ging, vorbereitet auf den nächsten Sturm, nur darauf wartend, dass er vorüberzöge ohne mich allzu sehr zu verwüsten. Ich spürte körperlichen Schmerz beim reinen Gedanken an Disharmonien.

Heute weiß ich jedes Mal ein bisschen mehr: In einer gesunden Beziehung darf Streit stattfinden und ist kein Weltuntergang. Er passiert nicht, um mich zu zerstören, er passiert, um Dinge wieder in die richtige Perspektive zu rücken und gerade zu rücken. Er geht wieder vorbei. Ohne, dass ich mich zwei Tage davon erholen muss.

3. Gewisse Grenzen dürfen niemals überschritten werden.

Könnte ich meinem jüngeren Ich nur einen Ratschlag geben, wäre es dieser hier. Es ist irrelevant, wie erhitzt die Gemüter sind, wie stark die Wut und Verzweiflung – auch, wenn man sich sprichwörtlich am liebsten den Kopf abreißen würde, gilt es gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. Abgesehen von allen körperlichen Übergriffen (was sowieso klar ist, Ausrufezeichen) gehören dazu vor allem verbale Verletzungen, die unter die Gürtellinie gehen. Setzt euer Partner oder eure Partnerin gezielt Wortwaffen ein, von denen sie wissen, dass sie Traumata triggern oder aufs Übelste auf eure größten Unsicherheiten abzielen, ist das inakzeptabel. Wer sich trotz innerem Sturm nicht zumindest ein klein wenig Empathie und Menschlichkeit bewahren kann, kann auf Dauer kein angenehmer Zeitgenosse sein. Die Wunden solcher Verletzungen bleiben oft für immer.
Traurige Wahrheit ist auch – wer einmal Grenzen überschreitet, wird es höchstwahrscheinlich wieder.

Grüße gehen raus an den Ex, der mich einst Nutte nannte.

4. Starke Eifersucht ist kein Zeichen von Liebe

Beim Thema Eifersucht scheiden sich die Geister. Manche sind es gar nicht, manche sind es stärker – beides ist okay, beides darf sein. Bis zu einem gewissen Punkt. Krankhafte Eifersucht, also ständig und ohne triftigen Grund, ist der Endgegner für jede Beziehung. So oft höre ich Sätze wie "aber das zeigt doch nur, wie sehr mich der- oder diejenige liebt" – Bullshit. Ich sage: Seinem/seiner Partner:in grundlos durchgängig zu unterstellen, dass man ihm/ihr nicht vertrauen könne, zeigt nur eines auf: Eigene innere Missstände, Komplexe und ein mickriges Selbstwertgefühl. Es gibt dieses olle Sprichwort, das aber so wahr ist: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Tu dir diesen Scheiß nicht an. Deine Zeit ist zu wertvoll.

5. Was du willst und was dir guttut ist nicht immer das Gleiche

Schon mal so doll an der Vorstellung eines Menschen und der Beziehung mit ihm festgehalten, dass es dir fast wehtat? Schon mal so doll selbst verbogen, um jemanden doch noch irgendwie von dir zu überzeugen, dass du fast gebrochen bist? Schon mal so sehr eigene Prinzipien und Werte über Board geworfen, um zu gefallen? Wer nicht, wer nicht. Man lernt es meistens auf die harte Tour – wenn nicht sogar immer: Die Vorstellung über das, was uns vermeintlich erfüllen soll und die Realität dessen, was unserer Seele tatsächlich gut tut, liegen manchmal meilenweit voneinander entfernt. Vielleicht ist die Person unserer Begierde manchmal auch einfach "nur" die Projektionsfläche unserer eigenen Sehnsüchte. Diese Einsicht tut weh, ich weiß, und ich weiß auch, dass es lange dauert, bis man sie hat. Und doch ist sie Gold wert. Damit man sie eines Tages wirklich fühlen kann – gesunde, wahrhaftige, wohltuende Liebe.

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