Das unbequemste Interview mit Hanna Wilperath

Bei Surfkitchen servieren wir dem Curvy Model leckere Speisen – und krasse Fragen

Samstagmorgen in der Hafencity. Wir treffen Hanna Wilperath. Eine 28-jährige Kölsche Frohnatur, die es mittlerweile nach Hamburg verschlagen hat. Das Curvy Model ist nicht nur eine Augenweide und super-erfolgreich, sondern auch nicht darum verlegen, Tacheles zu reden. Genau deswegen haben wir uns am Hamburger It-Spot Surfkitchen auf ein Brunch Date mit ihr verabredet. Neben Rührei-Avocado-Bagels, Acai-Bowls (instagrammable af) und Pancakes, die fast schon unverschämt gut aussehen und schmecken, steht auch noch etwas anderes auf dem Menü: das unbequemste Interview.

Keine Tabus, kein Blatt, das vor den Mund genommen wird – so lautet unsere Philosophie, und genau die leben wir. Während Hanna sich also frohen Mutes durch die Speisekarte des Restaurants probiert, starten wir unseren Fragenhagel.

TOMORROW: Was ist das größte Vorurteil gegenüber Models, das auf dich zutrifft?

Hanna: Definitiv, dass wir immer zu spät kommen. Und speziell auf Curvy Models gepolt, würde ich sagen: wenig Sport, viel Essen. Guilty!

Leben Modelagenturen Diversity wirklich, oder ist das ein Image-Ding?

Viele machen das sicher nur aus Image-Gründen, viele leben es tatsächlich. Hier will ich mich nicht festlegen und auch niemandem Vorwürfe dieser Art machen. Man wird an verschiedenen Handlungen sicherlich erkennen können, wo die wahre Intention liegt. Doch ich möchte positiv sein und daran glauben, dass viele mittlerweile wirklich begriffen haben, dass Diversity nicht nur etwas mit dem Image zu tun hat.

Viele sagen, Skinny-Shaming sei genau so schlimm wie Fat-Shaming. Ist das so?

Grundsätzlich finde ich Shaming jeglicher Art scheiße. Das geht einfach gar nicht. Ich möchte niemandem, auch keiner "skinny person", das Recht absprechen, sich diskriminiert zu fühlen. Trotzdem empfinde ich Shaming gegenüber Mehrgewichtigen in unserer Gesellschaft als deutlich ausgeprägter – Diskriminierung gegen Dicke findet im Alltag einfach häufiger statt als gegen Schlanke.

Was sagst du zu den Vorwürfen mancher Leute, du würdest einen "ungesunden Lifestyle promoten"?

Das ist so ein Bullshit! Ginge es Leuten wirklich um die Gesundheit, dann werfe ich die Frage auf: Warum denken sie dabei nie über mental health issues nach? Immer geht es nur um Aussagen wie "Ey, du förderst, dass die Jugend dick wird". Vielleicht fördere ich stattdessen eher, dass die Jugend weniger Probleme mit Essstörungen hat. Vielleicht fördere ich auch, dass die Jugend weniger mit Depression zu kämpfen hat, weil sie ständig Bodyshaming erlebt. Ich würde es sehr wertschätzen, wenn es meinen Mitmenschen wirklich um die Gesundheit an sich ginge – denn die ist wichtig, absolut. Doch dann würden sie die von mir genannten Aspekte auch mal in Betracht ziehen. Deswegen glaube ich, dass Menschen mir so etwas nur sagen, weil denen eine dicke oder fette Frau schlicht nicht gefällt. Es passt ihnen einfach nicht.

Empfindest du weniger Druck, in Form zu bleiben, weil du kein Straight-Size Model bist?

Klare Antwort: Ja!

Auf Instagram zeigst du gerne viel Haut. Manche kritisieren dich dafür. Was sagst du dazu?

Das ist echt eine Sache, bei der ich mich frage: Leute, habt ihr eigentlich gar nichts begriffen? Lasst Menschen doch das von sich preisgeben, was sie möchten. Nur, weil Frauen* Haut zeigen, heißt das nicht, dass die billig sind, dass sie leicht zu haben sind oder das irgendetwas von ihren Körpern anderen gehört. Ob ich komplett angezogen bin oder nicht: Mein Wert bleibt gleich.

Sex sells! Wahr oder falsch?

Wahr. Das ist und bleibt so, glaube ich. Ich finde das auch erstmal nicht verwerflich, Punkt.

Ist Sex mit Kurvigen für viele Männer ein Fetisch? Wenn ja, turnt dich das ab?

Es ist auf jeden Fall ein Fetisch. Wir sind eine Porno-Kategorie, da müssen wir uns mal nichts vormachen. Die Sache ist die: Grundsätzlich ist es mir scheißegal, wer welchen Fetisch hat. Wenn ich jedoch jemanden kennenlerne und feststelle, dass er ausschließlich auf meine Kurven fixiert ist, dann turnt mich das ab.

Ist Sex als kurvige Frau aufregender?

Ich will mir nicht anmaßen, zu beurteilen, wer welchen Sex hat und wie aufregend der ist. Es gibt mit allen Körperformen aufregenden und langweiligen Sex.

Gehst du manche Kooperation des Geldes wegen ein, obwohl das Produkt scheiße ist?

Als ich mit Instagram anfing, bin ich Kooperationen eingingen, die gar nicht zu mir passten. Das bereue ich. Mittlerweile habe ich mich, auch bei Agenturen, dazu durchgesetzt, wirklich nur noch das anzunehmen, das du mir passt. Ich habe einmal diese Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, ein Produkt zu bewerben, das überhaupt nicht mein Ding war – und hab mich riesig geschämt. Das Geld ist es nicht wert.

Welches Produkt war das?

Tee! Ich hasse Tee. Niemals würde ich Tee trinken. Also musste ich Freunde bitten, ihn zu probieren und mir zu sagen, wie er überhaupt schmeckt. Ich hab mich wirklich so geschämt! Leute, das wird nie wieder passieren.

Schämst du dich manchmal dafür, eine materialistische, kapitalistische Welt zu fördern?

Ja, ehrlich gesagt schon.

Wie viel Geld investierst du in dein Aussehen?

Ein paar hundert Euro im Monat für Pediküre, Maniküre, Kosmetik, Frisör, Hautpflege und all sowas. Davon abgesehen dieses Jahr noch etwas mehr (gleich mehr dazu).

Was bearbeitest du alles an deinen Fotos?

Ganz ehrlich? Ich mache Pickel weg, und dafür schäme ich mich auch nicht! Es gibt einige Kolleg:innen, die das nicht gut finden und sagen würden "Zeig dich genau so, wie du bist!", aber ein Pickel gehört nicht zu mir – der ist nach einer Woche wieder weg. Narben oder Dehnungsstreifen würde ich niemals retuschieren, aber einen Herpes oder Pickel? Auf jeden Fall. Ansonsten benutze ich Farbfilter.

Fühlt es sich insgeheim ein bisschen geil an, viele Follower (58k) zu haben?

Ehrlicherweise anfangs ja. Je mehr es werden, desto öfter finde ich es aber auch irgendwie ein wenig beängstigend, wenn ich mich frage: Hanna, was zeigst du hier eigentlich und wer weiß das alles?! Vor allem, wenn Leute mir schreiben, dass sie mich irgendwo gesehen haben und fragen, was ich dort gemacht habe, ist das für mich manchmal befremdlich. Da muss ich mich noch einfinden. Aber ich freue mich über jede:n!

Hast du irgendetwas an dir machen lassen?

Ein Brazilian Butt Lift dieses Jahr. Mein Bauchfett ist jetzt quasi mein Hintern. Man bekommt Fett abgesaugt, welches dann wiederum in den Po transplantiert wird.

Schönheitsoperationen und Body-Positivity: Ist das nicht ein Widerspruch?

Finde ich überhaupt nicht. Body-Positivity bedeutet für mich, dass ich gegenüber jeder Körperform tolerant bin und alles akzeptiere. Warum also sollte es verwerflich sein, etwas an seine Körper zu verändern? Man entwickelt sich ja auch anderweitig weiter, sei es privat oder beruflich. Mein Körper ist mein Kapital. Ich finde es völlig in Ordnung, ihn nach meinem persönlichen Empfinden zu optimieren.
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Euer Hunger wurde noch nicht gestillt? Dann solltet ihr Surfkitchen unbedingt einen Besuch abstatten und euch selbst von allem, was es zu bieten hat, überzeugen lassen. Ihr findet das Restaurant in Hamburg gleich zweimal in der Hafencity. Einmal am Kaiserkai 1, einmal in der Hongkongstraße 2-4.

Und als kleines Schmankerl zum Schluss...

...möchten wir noch eine Herzensangelegenheit mit euch teilen: Gemeinsam mit Hanna hat Surfkitchen ein eigenes Gericht kreiert, welches ab sofort täglich ab 12 Uhr am Kaiserkai 1 erhältlich ist – das Cookie Dough Fondue!

Bei jedem Verkauf dieses (absolut perversen) Desserts wird 1 Euro an UN Women Deutschland gespendet, welche sich für die Gleichstellung der Geschlechter, für Frauenrechte, für die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und für die Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen engagiert.

Lasst es euch schmecken und tut dabei etwas Gutes.

Zum Video-Interview geht's hier.

Model/Interviewpartnerin: Hanna Wilperath

Fotos: Dahlina-Sofie Kock

Video: Leon Saß (Instagram/YouTube)

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